Hörspiele

Hier folgt demnächst ein vermutlich genialer, höchst inspirierter Text, den zu lesen sich mehr als nur lohnt. Vielleicht auch nicht. Es wird allerdings um irgendwas mit Hörspielen gehen, schätzungsweise.

Ach so… Kennen Sie gar nicht? Können Sie sich gar nichts drunter vorstellen? Tja, wie erklärt man das einem am besten…?
Hörspiele, das ist so ähnlich wie ein Podcast. Nur, dass da nicht nur ein oder zwei selbsternannte, überbezahlte »Experten« über vollkommen dummes bis belangloses Zeugs schwadronieren, ansonsten eine Menge »name dropping« praktizieren und den Leuten damit kostbare Lebenszeit stehlen.

Hörspiele, das sind Geschichten.

Also, ein bisschen so wie Romane, nur kürzer, und für zum Anhören. (Und wie bei Romanen, gibt es manchmal ganz gute dabei, die ein bisschen unterhaltsam oder aus Versehen sogar ein bisschen spannend sind. Aber auch andere, die einen schon nach drei Minuten in Tiefschlaf versetzen.)

Verschiedene Schauspieler und Synchronsprecher schlüpfen dafür in Rollen. Ja, echt … die sagen dann Sachen, aber die meinen das gar nicht so. Der »Fiesling« oder »Bösewicht« in der Story, der tut nur so, als ob er fies und böse, gemein und durchtrieben wäre. Dabei ist er in Wirklichkeit voll der nette Typ.

Und der »Held« in der Story, der tut auch nur so, weil er gut so tun kann, als ob. Das hat der irgendwie, irgendwo gelernt. Am Theater, auf irgendeiner Schauspielschule, in Studios vorm Mikrofon.

Der kann auch seine Stimme so ein bisschen verstellen. »Modulation« oder so ähnlich sagt er dazu, wenn er das ganz toll macht. »Chargieren«, wenn er es etwas übertreibt. Manchmal wird ihm die Stimme dann noch nachträglich mit Effekten verfremdet und tiefer gemacht, damit Darth Vader wegen seiner Fistelstimme Komplexe kriegt. (Beim Bösewicht meistens, beim Helden macht man so was eher seltener…)

Damit das hinterher dann auch alles ganz doll echt klingt, mischen die Fachleute einem entsprechende Geräusche drunter, Schritte, Schüsse, Schläge, Explosionen, galoppierende Pferde oder sanft zu Boden rieselnde Schneeflocken und all so ’ne aufregenden Sachen.
Und damit man weiß, wann man gefälligst Angst zu haben hat oder dass gleich was Spannendes passieren wird, gibt’s auch noch spannende Musik zwischen den einzelnen Szenen.
Ja, das sind schon Profis, die das dann so toll hinkriegen.

Aber von alleine, da kriegen die ungefähr gar nichts gebacken. Die sind »weisungsgebunden«. Wenn der Regisseur ihnen sagt: »Sprich das nochmal, diesmal aber langsamer, und schön mit schwäbischem oder a weng fränggischem Dialekt…«, dann müssen die das so machen.

Und das, was die da zu sprechen haben, und an welcher Stelle später dann welche Geräusche, Musiken und so weiter drin vorzukommen haben … das fällt auch nicht vom Himmel. (Also, sagen wir mal: Äußerst selten.)
Das muss denen in der Regel sogar vorher extra einer aufschreiben.

Ja, so wie bei einem Theaterstück oder Film. Der Federfuchser schreibt dann so merkwürdige Geheim-Kürzel da hin, wie »INN.«, wenn die Szene innen spielt. Oder »AUSS.«, wenn sie außen spielt. (Oder auf Englisch »INT.« für »internal« und »EXT.« für »external«.)
Der notiert denen sogar, ob die Szene im Schauspiel grad tagsüber spielt, nachmittags, abends oder mitten in der Nacht.

Der schreibt denen dann eine komplette Geschichte auf, mit verschiedenen Rollen und Dialogen und so. Da sind dann echt Leute, die es niemals gab, in einer Story. Leute, die irgendwas machen, was gar keiner gemacht hat, und die sagen dabei auch noch Sachen, die nie einer so gesagt hat.

Aber der Schreiberling meint das dann auch nicht so, das macht der eigentlich nur, weil’s Spaß macht und so’n Multimillionär ansonsten eh viel zu viel Freizeit hätte…

Das hat der Wortdrechsler aber nicht alles selbst erlebt, was der da schreibt; das denkt der sich komplett frei aus, oder er kriegt vorher eine Anregung vom Verlag: »Verwurste mal dieses und jenes Thema.«
»Hä? Das gab’s doch aber schonmal, irgendwie, so hundert bis zweihunderttausend Mal…«
»Wollteste das Rad jetzt neu erfinden, oder wie oder was?«
»Ach so, ja, stimmt auch wieder… Naja, denn wollen wir mal…«

Und das macht der dann also. Einfach so.
Da kann der Buchstaben-Jongleur ungefähr alles machen. Da fliegen Leute im Weltall rum und besuchen ferne Galaxien, da sprechen Außer- und Innerirdische. Da kann der Vampire auf eine Blutsauger-Rallye schicken, tote Menschen wieder aufleben lassen und auch andersherum. Kein Problem. Manchmal sagen und machen die ausgedachten Figuren schlimme Sachen, manchmal lustige, ab und zu sogar intelligente. (Obwohl man es damit nun wirklich nicht übertreiben sollte.)

Aber zum Glück braucht das Dichtergenie vorher nicht erst die ISS besuchen, um eine Science Fiction-Murks-Geschichte zu verzapfen. Und er muss auch keine Vampire heran züchten und lange studieren.

Der Dichterfürst braucht für den Erzähler der Geschichte nur zu schreiben:
»Also, das war so… Da war so ein Vampir. Das war jetzt nicht unbedingt gut für die eine Frau mit dem weißen, langen Schwanenhals, obwohl sie ansonsten ganz hübsch aussah, wenn sie nicht gerade damit anfing, mal wieder sinnbefreit vor sich hin zu kichern. Dem Vampir wiederum kam das mit dem Giraffenhals der Ollen aber durchaus gelegen.«

Dann sagt der Vampir: »Komm her, Dingens-Monica, laber nicht und lass mich mal was schlürfen. Weil, ich hab ganz schön spitze Zähne. Hier ist schonmal eine Zigarre für dich, mach dich locker…«
Und der wandelnde Softdrink für Vampire sagt so was wie: »Oh neien… Du holder Unhold, dem ovalen Büro entsprungen, du ruinierst mir nur wieder das Kleid!«
Dann gibt’s Geräusche, die untermalen sollen, wie er das verzwickte Problem schnell auf seine Weise löst. Hinterher ist sie auch ein Vampir, hat ganz schön spitze Zähne, jede Menge Durst und beide sind sie glücklich.

Wenn dann heitere Schlussmusik läuft und die Schauspieler in ihren Rollen lachen, heißt das, die Geschichte hat ein fröhliches, gutes Ende genommen.

Puh! Da kann man sich endlich entspannt zurücklehnen. Alles ist gut.

Außer für den einen Typen mit dem goldenen Füllfederhalter, der den ganzen Zauber aufschreibt. Der muss sich jetzt nämlich schon wieder die nächste Geschichte ausdenken. Die muss schon irgendwie anders sein, aber irgendwie soll es auch wieder die gleiche sein, weil die Leute die eine Geschichte doch eben so gerne mögen und sich bloß unnötig aufregen, wenn man ihnen mal was anderes vorsetzt.
Knifflig.
Ein Teufelskreis.
Obwohl er es eigentlich immer ganz leicht aus dem Ärmel zu schütteln scheint, auch wenn die nächste Geschichte schon wieder mal vorgestern fertig sein muss.
Auf jeden Fall müssen die am Schluss dann wieder Witze in der Geschichte reißen, lachen und fröhliche Schlussmusik kommt. Damit man weiß, dass alles wieder gut und heile ist.

Also, im Prinzip alles so wie im echten Leben, nur dass man in einem Hörspiel bloß so tut, als ob.

So, nach dieser dezenten und absichtlich leicht und verständlich abgefassten Einführung in die Materie, nun aber zum eigentlichen Thema: Gute und hörenswerte Hörspiele. Die besten habe ich mal hier aufgelistet, und stelle Ihnen demnächst gerne noch ein paar mehr davon vor. Mit Cover und Klappentext und so weiter. Da gibt’s ein paar feine Sachen im Angebot, die spannende Unterhaltung garantieren…

… und ich klopp’ derweil weiter für Sie in die Tasten!